Welche Entwöhnungsmöglichkeiten gibt es?
Letztere zielt auf eine Senkung der Raucherquoten durch eine verbesserte und gezieltere Aufklärung nicht nur der Raucher, sondern insbesondere auch der am meisten gefährdeten Gesellschaftsschichten. Dazu zählen vor allem Kinder und Jugendliche, in deren Erleben das Rauchen noch nicht die unbeherrschbare Gefahrenquelle, sondern vorerst noch die erstrebte Eintrittskarte in die Welt der Erwachsenen darstellt.
Entwöhnungsmethoden
Um die erfolgsversprechenden und wissenschaftlich fundierten Methoden von den weniger seriösen Angeboten trennen zu können, wurden folgende Bewertungskriterien aufgestellt:Demnach müssen
Raucherentwöhnungsmethoden,
- wissenschaftlich abgeleitet und dauerhaft wirksam sein,
- wirtschaftlich und praktikabel bzw. breit anwendbar sein
- zur Rückfallverhütung geeignet sein, bzw. den Betroffenen im Falle eines Rückfalls Möglichkeiten zur Bewältigung geben.
Hypnose und Akupunktur
Für die Hypnose als bedeutsamste Form der suggestiven Verfahren gilt ähnliches wie für die Akupunktur. Sie erzielt sehr gute kurzfristige Erfolge, die langfristige Effizienz konnte jedoch auch hier in guten, kontrollierten Studien nicht nachgewiesen werden. Als Nachteil beider Verfahren gilt, dass sie dem Raucher keine Möglichkeiten zur Bewältigung von Krisen und Versuchungssituationen in die Hand geben.Autogenes Training und Muskelentspannungstraining
Autogenes Training und Muskelentspannungstraining werden zwar als Bestandteile einer Raucherentwöhnungsbehandlung häufig eingesetzt, für sich alleine sind sie jedoch nicht ausreichend wirksam.Verhaltenstherapien
Bei den Verhaltenstherapien handelt es sich zwar um die umfassendsten, aber auch gleichzeitig um die wirksamsten Verfahren zur Raucherentwöhnung. Sie werden zumeist in Gruppen, aber auch einzeln durchgeführt und bestehen aus drei Phasen: der Selbstbeobachtungsphase, der akuten Entwöhnungsphase, sowie einer Phase zur Stabilisierung des Entwöhnungserfolges und zur Rückfallprophylaxe. Die Selbstbeobachtungsphase hat das Ziel, die Funktionen des Rauchverhaltens im Alltag sichtbar zu machen. Selbstbeobachtung und damit der Erwerb von Wissen über Funktionszusammenhänge eines Verhaltens, das bisher automatisiert und unkontrollierbar erschien, ermöglicht die Vorbereitung auf schwierige Situationen und hilft damit bei der Bewältigung der akuten Entwöhnungsphase sowie bei späteren rückfallkritischen Situationen. Die akute Entwöhnungsphase erfolgt im Anschluss an die Selbstbeobachtungsphase entweder über die Punkt-Schluss-Methode (sofortiger Rauchstopp) oder über die schrittweise Reduktion des Zigarettenkonsums. Die schrittweise Entwöhnung erfolgt über die Bildung von Teilzielen und den Einsatz von Selbstkontrollregeln. In der Phase der Unterstützung des akuten Entwöhnungsprozesses geht es um den Aufbau von Alternativverhalten zum Rauchen. Dadurch soll ein Ersatz für das Rauchen gefunden und in den Alltag integriert werden. Des Weiteren soll der Entwöhnungserfolg durch den Einsatz von Verträgen und Belohnungen bei Erfolg sowie den Aufbau sozialer Unterstützung abgesichert werden. In der Phase der Stabilisierung des Entwöhnungserfolges und der Rückfallprophylaxe soll der langfristige Erfolg der Entwöhnung durch die Identifikation von rückfallkritischen Situationen und die Entwicklung und Erprobung von Bewältigungsstrategien (in Form von Rollenspielen und über das gezielte Aufsuchen rückfallkritischer Situationen) abgesichert werden.Medikamentöse Therapie
Unter den medikamentösen Verfahren sind die vorübergehende Zugabe von Nikotin
(Nikotinpflaster, Nikotinkaugummi oder Nikotinnasenspray) oder dem Antidepressivum Bupropion Zyban die zur Zeit wirkungsvollsten Methoden zur Verfügung. Wirkprinzip der medikamentösen Therapie ist die Milderung der Entzugssymptomatik und des Rauchverlangens, um den Entwöhnungsprozess zu erleichtern. Sowohl die Nikotinersatztherapie als auch Bupropion sind wirkungsvolle Verfahren, bei letzterem sind allerdings Einschränkungen bei der Anwendung zu beachten.
Nur wer wirklich aufhören will, schafft es auch. Doch selbst bei einer hohen Motivation kann noch einiges schief gehen.
Da, wie bereits erwähnt, die Tabakabhängigkeit sowohl durch eine physische als auch eine psychische Komponente bestimmt ist, müssen in einer Raucherentwöhnung auch beide Komponenten angegangen werden.
Die physische Komponente ist durch die Nikotinabhängigkeit charakterisiert und führt beim Rauchstopp zu körperlichen Entzugssymptomen. Diese umfassen Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsmängel, Nervosität, Unruhe aber auch Obstipation (Stuhlverstopfung) oder Hungergefühl.
Die psychische Abhängigkeit äußert sich in einem heftigen Rauchverlangen, dem Unvermögen, auf das Rauchen in bestimmten Situation zu verzichten und der sogenannten allgemeinsprachlich umschriebene ”Macht der Gewohnheit”. Das Rauchen wurde ”gelernt” und ist fester Bestandteil des individuellen Verhaltensrepertoires geworden.
Jeder ernstgemeinte Versuch einer Raucherentwöhnungsbehandlung muss sich mit beiden Bedingungen der Sucht auseinandersetzen: die körperlichen Entzugssymptome, die so heftig sein können, dass sie trotz einer hohen Ausgangsmotivation zur Abstinenz zum Rückfall führen, müssen gemildert werden, Versuchungssituationen müssen überwunden, Gewohnheiten durchbrochen werden.
Im Folgenden werden die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwöhnung vorgestellt:
I. Motivation
Die Motivation für eine Abstinenz muss klar herausgearbeitet werden - nicht allein die zu erwartenden negativen gesundheitlichen Folgen durch das Rauchen sondern vor allem die positiven Konsequenzen des Nichtrauchens müssen die Motivation begründen.Dazu gehören: die spürbar erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit, das wiedergewonnene Gefühl der Unabhängigkeit, finanzielle Einsparungen, eine größere Attraktivität usw.
II. Information
Der entwöhnungswillige Raucher sollte sich über alle zu erwartenden Schwierigkeiten informieren. Unerwartete Komplikationen während der Rauchabstinenz - das Auftreten von unerwarteten Entzugserscheinungen beispielsweise - gefährden die Abstinenz.III. Verhaltenstherapie
Bei den verhaltenstherapeutischen Raucherentwöhnungsverfahren handelt es sich um die umfassendsten, aber auch um die wirksamsten Verfahren zur Raucherentwöhnung. Sie werden zumeist in Gruppen, aber auch in Einzelbehandlungen durchgeführt. Verhaltenstherapeutische Raucherentwöhnungen werden auch als so genannte ”Selbsthilfemanuale” angeboten. In Büchern und Broschüren werden die erforderlichen verhaltenstherapeutischen Schritte erläutert.Die verhaltenstherapeutische Raucherentwöhnung konzentriert sich auf die Überwindung der psychischen Abhängigkeit.
IV. Bekämpfung der Entzugserscheinungen
Eine wichtige Unterstützung für die Raucherentwöhnung ist die erfolgreiche Bekämpfung der Entzugserscheinungen durch Medikamente. Vor allem Raucher mit einem Rauchkonsum von mehr als 10 Zigaretten pro Tag profitieren von einem vorübergehenden Nikotinersatz oder einer Behandlung von Bupropoin. Die ”Nikotinersatztherapie” ist derzeit in Deutschland als Nikotinpflaster, -kaugummi oder Nikotinnasensprayanwendung möglich. Zugelassen, jedoch nicht im Handel befindlich sind Nikotin - Inhaler und Nikotin-Tabletten. Während leichten Rauchern oder Rauchern, die vor allem in bestimmten Situationen zur Zigarette greifen und keinen gleichmäßigen Nikotinspiegel im Blut aufbauen, der unterstützende Einsatz des Nikotinkaugummis angeboten werden kann, profitieren regelmäßige oder stärkere Raucher von einer Pflaster- oder Nasensprayanwendung.Denkbar ist auch der kontrollierte Einsatz des Nikotinkaugummis oder -nasensprays bei gleichzeitiger Pflasteranwendung, wenn ”Krisensituationen” mit unstillbarem Rauchverlangen eintreten, die durch einen vorübergehenden Anstieg des Nikotinspiegels überwunden werden können.
Nikotinpflaster
Die Anwendungsvorschriften verlangen eine 24 - stündige bzw. 16 - stündige Applikation des Pflasters an Rumpf oder Oberarmen. Die Hautverträglichkeit des Pflasters ist gut. Selten kommt es zu Hautirritationen, Kopfschmerzen, Alpträumen und Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden. In der Regel stehen drei verschiedene Pflasterstärken zur Verfügung. Üblicherweise wird bei der höchsten Dosisstufe begonnen, nach 4 - 6 Wochen wird die nächstniedrigere Dosierung gewählt und nach weiteren 2 - 4 Wochen dann die niedrigste Pflasterstärke, ehe nach weiteren 2 - 4 Wochen die Behandlung beendet wird.Enttäuschungen durch eine angeblich mangelhafte Wirksamkeit werden durch Beachtung einiger häufig begangener Fehler in der Empfehlung bzw. Verordnung der Pflasteranwendung vermieden. Häufige Fehler sind mehrtägiges Tragen eines Pflasters (über den Wirkzeitraum hinaus), das nächtliche Tragen des Nikotinpflasters bei nur geringen körperlichen Entzugssymptomen, der gleichzeitige Zigarettenkonsum und zu hohe oder zu niedrige Einzeldosen. Auch ohne eine begleitende verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppenbehandlung - das derzeit wirkungsvollste Verfahren in der Raucherentwöhnung - lässt sich die Effektivität der Behandlung durch wöchentliche Kurzkontakte mit Ärzten oder Apothekern zur
Klärung von Dosisfragen und zum Überprüfen unerwünschter Wirkungen steigern.
Nikotinkaugummis
Der Nikotinkaugummi wird immer dann angewendet, wenn starkes Rauchverlangen oder andere Entzugserscheinungen auftreten. Beim Kauen eines Nikotinkaugummis wird das Nikotin durch die Mundschleimhaut aufgenommen.Bei der Anwendung des Nikotinkaugummis ist es wichtig, den Kaugummi etwa 30 Minuten mit Pausen langsam zu kauen, damit sich das gesamte Nikotin aus dem Kaugummi löst. Im Höchstfall sollte ein Kaugummi pro Stunde gekaut werden (d. h. nicht mehr als 16 Stück pro Tag). In der Regel werden Sie feststellen, dass Sie deutlich weniger benötigen. Nach 4 - 6 Wochen sollte die Dosis schrittweise reduziert werden. Der Nikotinkaugummi steht in zwei Stärken zur Verfügung: 4 mg sowie 2 mg. Der 4 mg Kaugummi hat sich als wirkungsvoller erwiesen. Der Nikotinkaugummi sollte höchstens über drei Monate angewendet werden.
Nikotinnasenspray
Das rezeptpflichtige Nikotinnasenspray ist für den Einsatz bei starken Rauchern angedacht. Die Nikotingabe erfolgt durch je einen Sprühstoß in jedes Nasenloch. Möglich ist sowohl die regelmäßige Anwendung als auch eine Gabe im Bedarfsfall. Das Nasenspray ermöglicht die effektivste Form der Nikotinsubstitution, kann aber eventuell eine Abhängigkeit von dieser Darreichungsform verursachen.Vorsicht !!! Kinder dürfen den Kaugummi und andere Nikotinprodukte nicht verwenden!
Nikotinersatz darf auch in folgenden Fällen nicht benutzt werden:
- bei instabiler Angina Pectoris
- wenn Sie vor kurzem einen Schlaganfall hatten
- nach frischem Herzinfarkt
- bei schweren Herzrhythmusstörungen
Bei Magen-Darm-Erkrankungen wie einer Magenschleimhautentzündung oder Magen-Darm-Geschwüren, stabiler Angina Pectoris oder einer anderen Erkrankung der Herzkranzgefäße sollte der Arzt in jedem Fall zu Rate gezogen werden.
Einen neuen Ansatz verfolgt das im Juli 2000 in Deutschland zugelassene Entwöhnungsmittel Bupropion (Zybana) : Anwender berichten über eine bedeutende Reduktion des Rauchverlangens. Die vermutete Wirkung der Substanz liegt in einer Regulation von Botenstoffen im Gehirn. Häufige Nebenwirkungen sind Schlafstörungen und Schwindel. In ersten Studien konnte nach einem Jahr eine Abstinenzquote von fast 20 % (kontinuierliche Abstinenz) nachgewiesen werden, weitere Untersuchungen müssen die Wirksamkeit im Vergleich mit anderen Therapieformen belegen.
Laut Anwendungsempfehlungen soll das rezeptpflichtige Medikament eine Woche lang eingenommen werden, solange noch geraucht wird. Nach Beginn der Abstinenz sollte die Einnahme noch mindestens 6 Wochen fortgesetzt werden. Raucher mit einer Epilepsie, einer Zuckerkrankheit einer psychischen Erkrankung oder einer anderen schweren Erkrankung sollten das Medikament nur in Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen.